Virtuelles Wasser? Nutze ich nicht! Oh doch

Virtuelles Wasser? Nutze ich nicht! Oh doch

Virtuelles Wasser

… ist das Wasser, welches bei der Erzeugung von Produkten zum Beispiel in Kleidung und Lebensmitteln steckt, also für uns nicht sichtbares Wasser.

Der Wasserverbrauch in Deutschland geht von 144 l (1991), die eine Person am Tag verbraucht auf  129 l zurück. Wir Deutschen sind sehr gut im Wasser sparen, leider nur das direkte Frischwasser. Beim virtuellen Wasser verbrauchen wir jeder Einzelne von uns jeden Tag ca. 4000 l.

Das sind 20 Badewannen am Tag!

Gewächshäuser an Spaniens Südküste (Quelle: Google Maps)

Die weißen Flächen auf dem Satellitenbild sind Gewächshäuser, der Ort El Ejido, Almeria in Spanien. Die Anbaufläche für Obst und Gemüse ist genau so groß wie die Stadt München.

30 % der spanischen Tomaten gehen nach Deutschland, mit Ihnen 100- 150 Millionen m³ virtuelles Wasser pro Jahr.  Das ist das gleiche Wasservolumen wie der Große Brombachsee in Mittelfranken.

Weltweit heruntergerechnet auf einen Kilogramm Tomaten ergibt sich einen virtueller Wasserverbrauch von 184 l pro kg. Dieser Wert ist natürlich nicht überall gleich, da unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse für verschiedene Verdunstungsraten sorgen bzw. die Art der Bewässerung für eine regionale Differenzierung sorgt. In Spanien liegt der Wasserverbrauch deutlich höher bei 319 mm/Jahr. Problematisch ist, dass der Niederschlagswert in den meisten großen Anbaugebieten unter dem des Verbrauchs liegt, wie beispielsweist in Almeria mit 200 mm/Jahr. Daraus resultiert natürlich, dass das Wasser oftmals aus natürlichen Wasserreserven entnommen wird, wie dem Grundwasser oder aus Seen und Flüssen. Mit dem Absenken des Grundwasserspiegels kann nun Meerwasser in die Grundwasserkörper eindringen und sorgt für eine Versalzung des Bodens und des Grundwassers.
In Bayern ist der Niederschlag mit durchschnittlich 1000 mm/Jahr ca. fünfmal so hoch. Auch wenn Tomaten nicht ganzjährig angebaut werden können, bietet sich hier ein nachhaltiger Anbau deutlich mehr an, da erstens Transportkosten und die damit verbundenen Emissionen vermieden werden können und der Niederschlag die benötigten Wassermengen bei Weitem übersteigt.

Wissensmemory

Wie viel virtuelles Wasser steckt wo drin?

Neugierig?

Dann sieh nach.

1 kg Tomaten

1 kg Tomaten

184 l

1 kg Erdbeeren

1 kg Erdbeeren

276 l

1 kg Orangen

1 kg Orangen

500 l

1 kg Äpfel

1 kg Äpfel

700 l

1 kg Brot

1 kg Brot

1 300 l

1 kg Huhn

1 kg Huhn

3 900 l

1 Tasse Tee

1 Tasse Tee

30 l

1 kg Papier

1 kg Papier

2 000 l

1 kg Recylingpapier

1 kg Recylingpapier

20 l

1 Handy

1 Handy

3000 l

1 Computer

1 Computer

20 000 l

Nachhaltiges Wirtschaften mit Wasser

1

Sich informieren

Auch wenn das Thema komplex ist,  sollte man sich über Materialien, Herstellungsprozesse und Produktionsorte  informieren. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Produkte nicht in Regionen produziert werden, wo der Wasserverbrauch für die Produktion den des nachkommenden Wassers (z.B. durch Niederschlag) übersteigt.

 

2

Regional

Außerdem sollte auf saisionale und regionale Lebensmittel zurückgefriffen werden. Erdbeeren sind mittlerweile zwar auch zur Winterzeit erwerblich, allerdings fallen dabei hohe Transportkosten an und die Produktion in südliche Ländern ist meist sehr wasserintensiv.

 

3

Neukauf

Vor dem Neukauf über die Notwendigkeit des Produktes nachdenken. Brauche ich es wirklich oder ist es nur ein Trend? Muss ich ein vorhandenes Produkt neu kaufen, oder kann ich es auch reparieren? Oftmals werden die gewünschten Produkte auch gebraucht angebote. Das schont zusätzlich den Geldbeutel. Muss ich das neue Produkt besitzen bzw. lohnt sich der Kauf, oder kann ich mir das Produkt auch leihen (z.B. Carsharing)?

 

4

Zertifikate

Ökologische Zertifikate und Siegel sind zu bevorzugen. Sie geben beim Einkauf Auskunft über ökologische und gesundheitliche Aspekte bei der Produktion.

Auch Unternehmen stehen in der Verantworung nachhaltig zu agieren und können die oben genannten Vorschläge umsetzten. Wichtig ist dabei, dass die Mitarbeiter auf Problematiken – wie den Verbrauch von virtuellen Wasser – aufmerksam gemacht werden, was durch regelmäßige Schulungen gewährleistet werden kann.

Durch Bildung sollten wir den Blick für die Realität fördern. Unsere eigene wasserreiche Heimat sollte uns nicht dazu verführen, den Wassermangel für ein Problem der anderen zu halten. Machen wir den Anfang und hoffen wir das Beste.*

* „ Wasserland Bayern – nachhaltige Wasserwirtschaft Bayern“ vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit – 6. Auflage 02/2013

Water Footprint of Nations www.waterfootprint.de